SAP verliert mit Cloud Computing Geld

Ein interne Email des SAP-Vorstandes Lars Dalgaard watscht die bisherige Cloud-Strategie des Unternehmens alt teuer und ineffizient ab.

Lars Dalgaard, SAP Vorstand, auf der Sapphire Now2012 in Orlando (FL)

Lars Dalgaard, SAP Vorstand, auf der Sapphire Now2012 in Orlando (FL) (Foto: SAP)

Der erst Ende April vom eingekauften Cloud-Vorzeigekandidaten SuccessFactors in den SAP-Vorstand berufene Lars Dalgaard will die Cloud Computing Strategie des Unternehmens grundlegend überholen. Entsprechende Pläne hatte der Däne auf der Hausmesse SapphireNow in Florida präsentiert. Demnach soll das Angebot der Walldorfer künftig auf wenige wettbewerbsfähige Produkte in den Kernbereichen Finanzen, Kunden, Logistik, und Personal reduziert werden, statt mit Angeboten wie Business by Design zu versuchen, gleich „den ganzen Ozean zum kochen zu bringen”, so Dalgaard. Neben der Entwicklung von Services, die den neuen Anforderungen der Unternehmen an Themen wie Sicherheit und Mobility gerecht werden müssen, sei die Usability heute ein entscheidender Faktor für den Erfolg. Angriffslustig fragte Dalgaard „Warum soll Apple den ganzen Spaß haben?”. Bis 2015 will die SAP so zum führenden Cloud-Anbieter mit über 2 Milliarden Umsatz durch entsprechende Angebote avancieren.

Allerdings ist es bis dahin noch ein langer, Kräfte zehrender Weg, wie ein interner Brandbrief Dalgaards zeigt, der wenige Tage nach der SapphireNow auch bei der Wirtschaftswoche auftauchte. In der Email macht Dalgaard den Mitarbeitern klar, wie wenig er von den bisherigen Bemühungen der SAP wie Business by Design hält, in deren Entwicklung weit über eine Milliarde Euro geflossen sind. Kurz und schmerzlos stellt er fest, dass der Geschäftserfolg bei Kunden und Umsatz bisher in allen Bereichen noch deutlich hinter den Erwartungen zurück liegt und er den Eindruck habe, „dass wir bisher keine klare und fokussierte Strategie in Sachen Cloud haben”. Die operative Marge von -64 Prozent bedeute im Endeffekt, dass Cloud Computing für die SAP bisher ein Verlustgeschäft sei. Der von ihm mit gegründete Personalsoftware-Spezialist SuccessFactors bringt es hier auf 83 Prozent, allerdings mit einem Plus vorweggestellt. Nicht umsonst hatte SAP im Februar 3,4 Milliarden Euro für die Übernahme auf den Tisch gelegt, die Vorstandssprecher Jim Hagemann Snabe damals mit einem Porsche verglich, den sich der Konzern zu seinem 40. Geburtstag gönnt. Dalgaard ruft die Mitarbeiter schließlich dazu auf, sich nun endlich mit aller Kraft dem Thema Cloud Computing zu widmen.

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